Modern Talking - Romantic Warriors
Release: 1987
Anzahl Disks/Tonträger: 1
Label: Hansa (Sony BMG)
ASIN: B000007295

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Rezensiert von: tino

1987 war das Jahr der Entscheidungen für Modern Talking. Thomas Anders war ohnehin nicht mehr ganz bei der Sache und für Dieter Bohlen hieß es: Augen zu und durch und entsprechende Verträge erfüllen, zumal Pläne für ein eventuelles Soloprojekt wohl schon in seiner Schublade lagen. Nachdem die letzten beiden Alben Platz 1 in Deutschland schafften (das erste Album ebenfalls, nur das zweite kam auf Platz 2), blieb das fünfte Modern Talking-Album "Romantic Warriors" bei Platz 3 stehen und verweilte auch nur 10 Wochen in den Charts. Dennoch ist das Album Zeugnis eines Reifeprozesses bezüglich der Kompositionen, des Arrangements und der Produktion (und bei einigen Titeln auch bezüglich der Texte).

Jet Airliner:

Die einzige Singleauskopplung aus dem Album ist ein Opus Magnum. Das raffiniert ausgetüfftelte Intro zeugt von hoher Spielfreude beim Arrangieren des Songs und diese Sorgfalt zieht sich durch das ganze Lied. Die moll-lastigen Strophen gleiten dahin wie auf, passenderweise, Wolken und ergießen sich nach einem kräftigen Rumser in den grandiosen Refrain mit einem hohen Chor, der seinesgleichen sucht. Wenn man unbedingt das Haar in der Suppe finden will, so ist es hier eindeutig der sehr triviale Text, ansonsten Höchstpunktzahl hoch zehn.


Like A Hero:

Welch ein Kontrast zu dem musikalischen Donnerwetter des vorrangegangenen Songs. "Like A Hero" ist eine ruhige, sanfte Pianoballade. Die Strophen haben etwas schlafliedmäßiges (im positiven Sinne), doch bevor man endgültig die Äuglein schließt, kommt der Refrain samt Pauken und animiert einen, dass Lied doch eindeutig positiv zu bewerten.


Don't Worry:

Dieser Titel ist wieder ein flotter Reißer. Der Rhythmus ist relativ atypisch für Bohlen-Produktionen, da er etwas sperriger ist, als beispielsweise bei "Jet Airliner". Man mag es kaum glauben, aber hier scheint sich Bohlen auch besonders viel Mühe beim Text gegeben zu haben, da eine gewisse Kernaussage (ausser nur "Sei nicht traurig") erkennbar ist. Freunde der gepflegten Modern Talking-Chöre kommen hier auch voll auf ihre Kosten. Was auch nicht alle Tage vorkommt: dieses Lied endet nach einem schönen Gitarrensolo ohne Wiederholung des Refrains.


Blinded By Your Love:

Es wird ganz bestimmt Leute geben, die diese Nummer besonders mögen. Da ich nicht dazu gehöre, fällt es mir schwer, hier etwas Positives zu schreiben. Auf jeden Fall ist sie eine nicht ungefällige Midtempo-Nummer und auch die Tatsache, dass es sich nicht unbedingt nach einem Modern Talking Song anhört, ist lobenswert zu erwähnen.


Romantic Warriors:

Was "Blinded By Your Love" in meinen Ohren vergeigte, macht der Titelsong wieder wett. Eine mit Kastagnettenklängen angehauchte und überhaupt insgesamt recht südländisch anmutende Uptempo-Nummer mit den für die Achtziger Jahre so typischen "Oh, oh, oh"s und "Ha, ha, ha"s.


Arabian Gold:

Ob es nun in das Reich der Legenden gehört oder nicht, dass "Arabian Gold" als mögliche Nachfolgesingle vorgesehen war, klar ist, dass der Song es verdient hat, als ein solcher Kandidat zu gelten. Das Trommelwirbel-like-Intro macht schnell deutlich, dass es sich hierbei um einen Knaller der Güteklasse A handelt. Es klingt zwar abgedroschen, aber auch eine Nuance von Mystik kann diesem Titel nicht abgesprochen werden. Ebenfalls reizvoll ist der Wechsel der Tonhöhe bei den Chören im Refrain.


We Still Have Dreams:

Eine recht anspruchsvolle, gediegene Ballade mit einer Melodie, die anscheindend gut genug für ein zweites Lied ist. Das Arrangement vermittelt ein schönes Gefühl von träumerischer Schwelgerei. Hier finden Freunde der hohen Chöre ein kleines Schmankerl ab dem zweiten Refrain.


Operator Gimme 609:

Auch diese Midtempo-Nummer scheint irgendwie auf Wolken zu gleiten. Sie ist ziemlich atmosphärisch und fast esotherisch angehaucht und Thomas Anders klettert mit seiner Stimme die komplette Tonleiter rauf und runter. Dieser Song ist einer der wenigen Modern Talking Songs, wo es beim Refrain ein Wechselspiel mit Thomas und Chor gibt (vom Prinzip vergleichbar mit "Princess Of The Night"). Das, was normalerweise der hohe Chor sein könnte, wird hier in Normaltonlage präsentiert, wirkt dadurch aber nicht minder interessant.


You And Me:

Eigentlich eine gute Nummer, insofern, dass es ein Titel ist, der aus dem Rahmen fällt. Ein recht schleppender Rhythmus und eine ansprechende Melodie, bei der Thomas Anders abermals beweisen kann, dass er die Tonleiter im Griff hat. Wer auf einen schönen Chor im Refrain wartet, hat hier leider das Nachsehen. Der Text ist als gelungen zu betrachten.


Charlene:

Der letzte Titel des Albums ist ein würdiger Abschluss. Der Rhythmus erinnert latent an die Produktionen von Stock, Aitken, Waterman, die zu dieser Zeit begannen, sich einen Namen zu machen. Der Chor (ja, hier gibt es wieder einen) ist wieder wunderbar arrangiert und auch die Tom-Toms in dem Instrumentalteil geben diesem Song eine gewisse Würze. Minuspunkt für das schwülstige "Mmmm.." von Thomas Anders am Ende.

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